Das ist der zweite Teil der Comicserie, in der Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt über die Höhen und Tiefen ihrer zweijährigen Wohnungssuche erzählen. Der erste Teil kann hier nachgelesen werden.

1.	Comiczeichnung eines modernen Wohnhauses mit Treppe zum Eingang. Mehrere Personen warten. Eine Person im pinken Hemd spricht zwei Personen an; Valentin und Jasmin, die einen Rollstuhl nutzt. Die Person im pinken Hemd – ein Makler – will wissen, ob sie auch für die Wohnungsbesichtigung im Erdgeschoss da sind. 2.	Der Makler im pinken Hemd und mit trendigen Tattoos sagt mit einem breiten Grinsen: «Grüezi! Ah, mit Rollstuhl! Das ist überhaupt kein Problem bei uns. Wir gehen am besten alle durch die Tiefgarage.»
3.	Jasmin sagt sarkastisch, mit einem entmutigten Gesichtsausdruck zu Valentin, dass sie wieder die Extrawurst seien, weil sie durch die Tiefgarage gehen müssen.  4.	Die beiden gehen mit den anderen Menschen auf Wohnungsbesichtigung durch die Tiefgarage. Jasmin im Rollstuhl merkt an, dass es ganz schön steil ist.
5.	Ansicht von oben auf die Tiefgarage: Die rote Markierung des Weges zur Wohnung schlängelt sich an Autos und mehreren Brandschutztüren vorbei. Diese sind für Personen im Rollstuhl nicht zugänglich. Auch zur Waschküche gibt es zwei Treppenstufen. Einmal verirrt sich der Makler und der Verlauf der rot gestrichelten Markierungslinie wendet. 6.	Der Makler sagt mit aufschneiderischer Mimik zu den Wohnungsbesichtigenden, dass es ein Neubau sei.
7.	Ansicht von oben auf ein Treppenhaus und einen Flur mit Aufzug. Der barrierefreie Weg ist als rote Linie markiert, die an mehreren Brandschutztüren vorbeiführt. Jasmin steht mit dem Rollstuhl vor dem Lift. Sie flüstert Valentin zu, sie hoffe, es gäbe noch einen anderen Weg ins EG. Der Makler sagt, er und die anderen Interessierten nehmen die Treppe. 8.	Im Eingangsbereich: Jasmin merkt überrascht an, dass sie ja jetzt beim Hauseingang sind. Der Makler bestätigt dies beiläufig, während er die Türe zur Wohnung öffnet.
9.	Der Makler führt die Interessierten in die Wohnung. Valentin fragt, ob es keinen barrierefreien Weg zur Wohnung gibt. 10.	Nahansicht des Maklers. Er sagt verlegen: «Hmm, tja, ich kann es ihnen gerade nicht sagen. Ich suche noch den Keller. Aber schauen Sie ruhig selbst.» Man kann die Schweissflecken auf seinem zu kleinen Hemd sehen.
11.	Nahansicht der genervten Jasmin. Sie erklärt, dass eine rollstuhlgängige Wohnung nichts nützt, wenn der Weg zur Wohnung selbst nicht barrierefrei ist. Daneben ist eine Sprechblase von Valentin mit «Komm, schauen wir mal». 12.	Ansicht des Wohnhauses von aussen. Valentin und Jasmin stehen auf dem Sitzplatz vor der Wohnung und sprechen miteinander. Sie sehen, dass es keinen barrierefreien Weg zur Wohnung gibt. Sie beschliessen, nach Hause zu gehen. Jasmin sagt ironisch, dass sie erst nach Hause gehen, wenn sie den Keller gesehen haben.

Diese Geschichte macht auf einen weitverbreiteten Irrglauben aufmerksam: Viele glauben, Neubauten seien durchweg barrierefrei oder rollstuhlgerecht. Doch oftmals stimmt das nicht.

Selbst bei Neubauten beschränkt sich die Barrierefreiheit meist auf Mobilitätseinschränkungen. Sehbehinderte Menschen werden in den meisten Mietshäusern nicht mitgedacht – etwa bei Touchscreens an modernen Kochherden oder bei Gegensprechanlagen. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Auch bei Rollstühlen denken Planer:innen oft zu kurz: Sie berücksichtigen meist nur die herkömmlichen Aktivrollstühle, nicht aber Elektrorollstühle, die mehr Platz brauchen. Verantwortlich dafür sind auch die veralteten SIA-Baunormen, die dringend überarbeitet werden müssen.

 Diese Geschichte macht auch deutlich, dass das Personal von Verwaltungen oft absolut keine Ahnung von Behinderung hat. Auf unserer bereits zwei Jahre dauernden Wohnungssuche ist uns noch keine Verwaltung begegnet, die sich auch nur ansatzweise mit Behinderung befasst hat – geschweige denn sich damit auskannte.

Ein weiteres grosses Problem: Für Bauherr:innen und Architekt:innen endet Rollstuhlgängigkeit offenbar an der Wohnungstüre. Labyrinthartige Wege durch Tiefgaragen und schwere Brandschutztüren zur eigenen Wohnung machen diese weder rollstuhlgängig noch barrierefrei. Hier fehlt schlicht das Nachdenken über die Menschen, die später dort wohnen sollen.

Comicserie Wohnungssuche mit Behinderung

Der angespannte Wohnungsmarkt setzt viele unter Druck, für Menschen mit Behinderungen ist er kaum zumutbar. In der Comicserie Wohnungssuche mit Behinderung erzählen Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt von den Schwierigkeiten und Absurditäten, die sie bereits seit zwei Jahren erleben: Inserate, die Barrierefreiheit vortäuschen, Vermieter:innen, die vor Umbauten zurückschrecken, oder Planer:innen, die Menschen mit Behinderungen schlicht nicht mitdenken. Ihre Erfahrungen zeigen gravierende strukturelle Probleme, Diskriminierung und Ignoranz auf dem Wohnungsmarkt, aber auch Momente echter Solidarität.