
200 statt 335 Franken. In Zeiten steigender Mieten, Krankenkassenprämien und Lebenshaltungskosten klingt das für viele Haushalte verlockend. Denn 135 Franken im Jahr zu sparen, macht spürbar etwas aus. Gerade Menschen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen. Finanzielle Entlastung ist für sie deshalb alles andere als nebensächlich.
Doch im Kern geht es bei der Halbierungsinitiative, neben der zentralen Rolle öffentlicher Medien für die Demokratie, um etwas anderes: um Inklusion.
Zugang zu Medien ist eine Grundvoraussetzung für politische und gesellschaftliche Teilhabe. Wer nicht weiss, was politisch verhandelt wird, wer Debatten nicht verfolgen oder Entwicklungen nicht einordnen kann, ist von demokratischer Mitwirkung faktisch ausgeschlossen. In einer direkten Demokratie gilt das besonders.
Dieser Mechanismus wirkt in zwei Richtungen.
Erstens ganz konkret: als Zugang für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen. Untertitel, Gebärdensprache und Audiodeskription sind keine Komfortleistungen. Sie entscheiden darüber, ob jemand Nachrichten, Abstimmungsdebatten oder Medienkonferenzen des Bundesrats überhaupt wahrnehmen kann. Die SRG untertitelt etwa 84 Prozent ihres Fernsehangebots, strahlt über 1200 Stunden Gebärdensprachsendungen aus und baut die Audiodeskription weiter aus.
Im Vergleich sind private Fernsehanbieter mit nationaler oder sprachregionaler Ausstrahlung lediglich dazu verpflichtet, einmal wöchentlich zur Hauptsendezeit eine zugängliche Sendung anzubieten. Ohne systematische Barrierefreiheit gibt es jedoch keinen gleichberechtigten Zugang zu Information. Und ohne Zugang keine Teilhabe.
«Wenn Redaktionen sparen müssen, verschwindet zuerst, was sich nicht an die Massen verkaufen lässt.»
Zweitens wirkt der Mechanismus indirekt: Über Narrative und Wissen. Das betrifft alle Menschen mit Behinderungen, unabhängig von ihrer Behinderungsart.
Was medial präsent ist, prägt die gesellschaftliche Vorstellung davon, was relevant ist und wer dazugehört. Bleibt die Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen aus Spargründen punktuell oder reduziert sich auf Schicksalsgeschichten, verfestigen sich stereotype Bilder.
Diese Bilder sind nicht folgenlos. Sie beeinflussen politische Entscheide, prägen Debatten über Kosten, Rechte und Zuständigkeiten und bestimmen mit, ob Inklusion als Selbstverständlichkeit oder als «spezielles Bedürfnis» behandelt wird.
Medien sind deshalb nicht nur Informationskanäle. Sie strukturieren unseren gesellschaftlichen Blick. Öffentliche Medien haben hier einen besonderen Auftrag: Die Berücksichtigung gesellschaftlicher Minderheiten. Sie sind verpflichtet, auch jene Perspektiven abzubilden, die keine grossen Marktanteile versprechen.
«Wer Inklusion ernst nimmt, kann diese Infrastruktur nicht halbieren.»
Wenn Redaktionen sparen müssen, verschwindet zuerst, was sich nicht an die Massen verkaufen lässt: Nischenthemen, differenzierte Perspektiven, aufwändige barrierefreie Aufbereitung, sorgfältige Sprache. Barrierefreiheit ist ressourcenintensiv. Differenzierte Einordnung braucht Zeit, gründliche Recherche und redaktionelle Priorisierung. Wird der finanzielle Spielraum reduziert, geraten genau diese Elemente unter Druck.
Die demokratischen Folgen einer Annahme der Initiative wären doppelt: Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen verlieren realen Zugang zu Information. Gleichzeitig verengt sich der öffentliche Blick, mit der Folge, dass Klischees und verzerrte Narrative unsere politischen Entscheidungen prägen.
Wer Inklusion ernst nimmt, kann die SRG nicht halbieren. Darum lehnen wir die Halbierungsinitiative ab.


