Das ist der sechste Teil der Comicserie, in der Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt über die Höhen und Tiefen ihrer zweijährigen Wohnungssuche erzählen. Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 können hier nachgelesen werden.

1.	Comiczeichnung von Valentin und Jasmin auf Wohnungsbesichtigung. Jasmin nutzt einen Rollstuhl. Sie sagen zu einer älteren Frau, die ihnen die Wohnung gezeigt hat: «Vielen Dank fürs Zeigen der schönen Wohnung. Merci vill mal!» Sie antwortet: «Ich lege ein gutes Wort ein für euch.» Sie trägt eine blaue Schürze mit einem Blumenhemd und hat schon grau melierte Haare. 2.	Die Frau schaut auf ihre Uhr und stellt überrascht fest: «Oh jeh, jetzt kommen schon die nächsten zur Besichtigung. Tschüss, ich muss!!!»
3.	Jasmin schaut Valentin mit grossem Augen und breitem Grinsen an.  Über ihrem Kopf sind drei Herzen zu sehen. Valentin sagt zu Jasmin glücklich: «Ja voll gut. Aber jetzt müssen wir schnell sein und die Verwaltung anrufen.» 4.	Jasmin düst mit ihrem Rollstuhl davon und hinterlässt eine Staubwolke. Und ein Schrifzug: «Siiummm.» Jasmin ruft: «Komm schon!» Valentin ruft hintennach: «Habe ich was von Überschall gesagt?!!!»
5.	Schriftzug: Wieder zu Hause. Jasmin verzieht ihr Gesicht vor Schmerzen: «Ich hab’s echt satt mit der Scheiss Treppe!» Valentin Antwortet mitfühlend: «Ja ich weiss.» 6.	Jasmin liegt erschöpft auf der Couch und sagt: «Phuu Wohnungen anschauen knockt mich immer voll aus. Bring mir doch bitte mein Telefon!» Valentin antwortet aus einem anderen Zimmer: «Wo ist es denn?»
7.	Valentin fragt Jasmin mit Sorgenfalten auf der Stirn: «Wann hattest du es denn zuletzt? Ich habe überall gesucht und darauf angerufen. Nichts!» 8.	Jasmin ist entnervt. Im Comic hat sie nun einen riesigen Mund, die Zähne aufeinandergebissen und die Lippen zittern. Die rechte Hand zur Faust geballt, die Linke ist zu einer Klaue geformt und kreist wütend. Die zwei Gegenstände sind in der Luft. In der Sprechblase steht: «Wuas!!!???»
9.	Jasmin kann es kaum glauben und sagt: «Aber wir sollten doch anrufen, jetzt! Oh maan.» Valentin legt ihr beruhigend die Hand auf die Schulter: «Easy. Wir rufen mit meinem die Frau von der Wohnung an und fragen nochmals nach der Nummer der Verwaltung.» 10.	Jasmin richtet sich vom Sofa auf. Sie hat die rechte Hand auf Valentins Schulter abgestützt und sagt: «Okay, aber ich ruf an. Ach Mist, mein Telefon ist weg.» Valentin antwortet: «Ok, vielleicht finden wir es ja noch. Ich suche weiter.»
11.	Jasmin telefoniert: «Die Nummer hab ich, danke. Und ja, falls sie ein Handy finden. Eine Sprechblase kommt aus dem Telefon heraus. Darin steht: «Ja klar, dann melde ich mich. Ah ja, rufen Sie gleich der Verwaltung an. Die Leute vorhin waren auch sehr interessiert.» 12.	Jasmin ruft der Verwaltung an. Aus dem Telefon kommt eine Sprechblase heraus: «Buup….Buup..Ja hallo??» Jasmin antwortet: «Ja grüezi, da ist Polsini. Wir haben ihre 4.5er im EG an der Falldwegstrasse angesehen und sind interessiert.»
13.	Jasmin spricht weiter: «Und die Wohnung ist auch gut wegen meinem Rollstuhl. Bis auf zwei, drei Sachen. Aber da könnten wir sicher auch mit der I.V. eine Lösung finden.» Die Verwaltung antwortet: «Sie brauchen nicht weiterreden!!!» 14.	Die Verwaltung spricht weiter: «Die Wohnung ist schon seit zwei Wochen wieder vermietet. Und wir ziehen Mieter vor, die sofort einziehen können, ohne Umbau und so.» Jasmins Gesicht ist gerötet, sie kneift ihre Augen zusammen und hat Schweisstropfen.
15.	Nahansicht von Jasmins entgeistertetem Gesicht. In grossem Schriftzug ist zu sehen: «Im Ernst jetzt??!» Sie sagt entnervt zur Vermietung: «Ihr lasst die Leute da auflaufen und die alte Frau Besichtungen machen für nix!?» Die Verwaltung antwortet: «Ööö.» 16.	Ansicht von Jasmin auf dem Sofa sitzend. Und: «Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht, wieso das Inserat noch drin ist, sorry.» Jasmin antwortet: «Okay ja sehr Schade!!! Adee.«
17. Valentin kommt ins Wohnzimmer reingelaufen mit triefender Regenjacke. Er hat das Handy in der Hand und sagt: «Was ist? Schau, ich habe dein Handy gefunden! Es lag im Garten.» 18.	Jasmin sagt niedergeschlagen: «Ach setzt dich erst Mal.» Valentin zieht seine Jacke aus und fragt: «Und was haben die gesagt?»

Nichts. Und wieder nichts.

So lässt sich das Ergebnis dieser Wohnungsbesichtigung zusammenfassen.

Die Geschichte zeigt, wie die Profitorientierung vieler Immobilienverwaltungen genau dort am härtesten trifft, wo Solidarität am meisten bewirken könnte. Die Gedankenlosigkeit der Verwaltung hat nicht nur unsere Wohnungssuche behindert, sondern auch eine engagierte Mieterin respektlos behandelt.

Was im Comic keinen Platz fand:

Die über 80-jährige Frau hatte in dieser Woche bereits mehrere Besichtigungen begleitet. Obwohl sie ihren Mann im Rollstuhl zu Hause pflegt, öffnete sie die Türen, zeigte die Wohnungen und beantworte geduldig die Fragen – im Glauben, potenziellen Nachmieter:innen zu helfen. Im Nachhinein gesehen: für nichts. Denn die Wohnung war zu diesem Zeitpunkt längst wieder unter Vertrag.

Diese Form von Respektlosigkeit ist kein Einzelfall. Wir haben diese Situation bei unseren Wohnungsbesichtigungen mehrfach erlebt. Sie ist ein Symptom dafür, wie wirtschaftliche Interessen unsere zivilgesellschaftliche Stabilität schwächen: Immer wieder finden Besichtigungen statt, obwohl die Entscheidung längst gefallen ist. Die Verwaltungen scheinen sich nicht darum zu scheren, in eine verlässliche Kommunikation zu investieren. Stattdessen nehmen sie in Kauf, dass sowohl Mieter:innen als auch Wohnungssuchende vergeblich enorme Anstrengungen und Belastungen auf sich nehmen.

Wenn Verwaltungen jeglichen Aufwand meiden, der ihnen keinen konkreten Nutzen bringt, ist das für Menschen mit Behinderungen besonders problematisch: Sie sind darauf angewiesen, dass notwendige bauliche Massnahmen offen diskutiert werden können, ohne dadurch einen Nachteil zu erfahren. Denn jede gewinnorientierte Entscheidung, die Barrierefreiheit ausschliesst, benachteiligt systematisch – und nimmt die ohnehin knappen Chancen auf zugänglichen Wohnraum.

Diese Situationen zeigen, wie sehr es an klarer Kommunikation und verbindlichen Verfahren im Wohnungswesen fehlt – etwa dass solch elementare Dinge wie die Vertragsunterzeichnung so lange nicht kommuniziert werden. Und wie dringend wir inklusive und respektvolle Strukturen brauchen, die echte Chancengleichheit schaffen.