
Je nach Betrachtungswinkel verändert sich die Wahrnehmung der Beschilderung des Psychiatrie-Museums in Bern. Bildnachweis: Andrea Schönhofer.
Es war einmal…
Dank der Initiative des Berner Psychiaters Walther Morgenthaler wurden seit der Gründung des Psychiatrie-Museums Bern tausende Objekte aus dem Alltagsleben in der Klinik Waldau, der heutigen UPD, gesammelt. Diese umfassende Sammlung ist sein historisches Erbe und aus heutiger Perspektive ein wertvoller Erfahrungsschatz.
Inhaltlicher Schwerpunkt des Museums ist die Geschichte der Psychiatrie Waldau. Zudem werden historische Behandlungsansätze beleuchtet, Patientenperspektiven wie auch die Wahrnehmung psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft thematisiert. Die Sammlung umfasst medizinische Geräte, historische Dokumente und Werke von Patient:innen. Eine kleine Auswahl der Objekte zeigt das Psychiatrie-Museum im Pfrundhaus, der Rest lagert im Archiv. Das Herzstück der aktuellen Ausstellung sind Werke des vielleicht berühmtesten Bewohners Adolf Wölfli.
Die Geschichte hört jedoch im Jahr 1990 auf: Der zeitlich geordnete Durchgang vom 19. Jahrhundert im ersten Ausstellungsraum bis in die späten 1980er Jahre am Ende genügt den heutigen Ansprüchen an ein modernes Museum nicht mehr. Die Ausstellung wird der Breite und Komplexität der Psychiatrie nicht gerecht. Dies möchte der Stiftungsrat nun in Zusammenarbeit mit dem Verein CoLaborArts ändern.
Status Quo
Die Stiftung Psychiatriemuseum Bern betreibt das Museum seit 1990 im Pfrundhaus auf dem Areal der Universitären Psychiatrischen Dienste Waldau. Als einzige Institution in der Schweiz, die sich in Form einer permanenten Ausstellung mit der Geschichte der Psychiatrie beschäftigt, ist das Museum von grosser, auch nationaler Bedeutung. Neben der historischen Dauerausstellung werden kleinere Wechselausstellungen gezeigt, die auch zeitgenössische Kunstschaffende berücksichtigen. Zurzeit sind Fotografien psychiatrischer Einrichtungen aus den Jahren 1880 – 1935 zu sehen. Das Pfrundhaus selbst ist ein Bauwerk aus dem bernischen Spätbarock.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Museum gut erreichbar, die Lage am Stadtrand setzt jedoch voraus, dass Interessierte den Weg auf sich nehmen, um die Ausstellung zu sehen. Da das Museum ausschliesslich von engagierten Freiwilligen unterhalten wird, sind die Eintrittszeiten beschränkt. In aktuellen Google-Rezensionen wird das Museum als «klein aber fein» beschrieben. Jedoch wird auch «weit weg», «furchteinflössend» und «bei der Gestaltung ist noch Luft nach oben» als Feedback genannt.
«Zweifellos haben die umfangreiche Sammlung, der besondere Ort und das Thema psychische Gesundheit bzw. Krankheit Potential. Dennoch braucht es starke Partner, um das Museum zukunftsfähig zu machen.»
Der Prozess zur Neugestaltung ist für den Stiftungsrat ein Ergebnisoffener: «Zweifellos haben die umfangreiche Sammlung, der besondere Ort und das Thema psychische Gesundheit bzw. Krankheit Potential. Dennoch braucht es starke Partner, um das Museum zukunftsfähig zu machen», erklärt Stiftungsratspräsident Hubert Steinke.
Gemeinsam ein neues Museum gestalten
Besonders ist, dass das neue Museum nicht im stillen Kämmerlein geplant wird, sondern in einem offenen Mitwirkungsprozess entstehen soll. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mitzuwirken bei der Neugestaltung. «Kreative Ideen sind gefragt!», erklärt Co-Projektleiterin Sara Winiger.
Die fachliche Leitung übernimmt der neu gegründete Verein CoLaborArts. Sara Stocker, Sandra Winiger und Nicole Griève sind die Köpfe hinter dem Verein. Der dreiteilige Name ist Programm: Co, steht für Co-Konstruktion oder Zusammenarbeit. Labor, meint ein Versuchslabor, in dem aus Neugier experimentiert wird und auch einmal etwas in die Luft fliegen darf, Fehler sind erlaubt. Und schliesslich Arts, der englischen Bezeichnung für Kunst.
«Kreative Ideen sind gefragt!»
Eine Begleitgruppe aus Fachleuten verschiedener Disziplinen steht CoLaborArts beratend zur Seite. Seit Anfang 2025 finden insgesamt drei Workshops vor Ort im Museum zu den Themen Vision (im Januar) – Programm (im Februar) und Partner (Ende April) statt. Die Teilnehmenden sollen möglichst vielfältige Perspektiven einbringen. Mitarbeitende des Museums, Vertreter:innen aus Kunst und Kultur, Menschen mit Psychiatrieerfahrung, Angehörige wie auch potentielle Partner:innen wurden als Teilnehmende zu Workshops eingeladen.
Ideen für ein Museum von Morgen
Bei einer ersten Ideensammlung zeigte sich, dass das zukünftige Museum ein Ort der Begegnung mit Aussenwirkung sein soll. Eine moderne, offene Psychiatrie soll sichtbar werden, um Vernetzung, Interaktion und Entstigmatisierung zu ermöglichen. Zudem soll auch die historische Sammlung als einmaliger Erfahrungsschatz erhalten bleiben und zugänglich gemacht werden. Konkret könnten im Museum beispielsweise Geschichten von Patient:innen erzählt werden.
Wie die Umsetzung dieser und vieler anderer Ideen aussehen könnte, wird sich in den kommenden Monaten herausstellen. Am Ende des Prozesses wird CoLaborArts die Ergebnisse in Form von Empfehlungen an den Stiftungsrat weitergeben. Anschliessend wird sich zeigen, ob und in welcher Form ein neues, modernes Psychiatriemuseum Bern gestaltet werden kann, die neue Vision also zur Realität wird.
Wohin geht die Reise?
An der Berner Museumsnacht am 21.03.2025 wird das Museum geöffnet sein und alle Besucher:innen vor Ort um ihr Feedback bitten. Jede:r hat die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Alle Infos findet ihr hier.
Das Projektteam freut sich über Feedbacks zur aktuellen Ausstellung und Ideen für die künftige Gestaltung des Museums.

Das Psychiatrie-Museum Bern zeigt in seinen Ausstellungsräumen historische Dokumente, Kunstwerke und Objekte, die die Geschichte der Psychiatrie und den Umgang mit psychischen Erkrankungen beleuchten. Bildnachweis: Andrea Schönhofer
Infos für Interessierte
Adresse
Bolligenstrasse 111, 3000 Bern 60
Öffnungszeiten
Mi – Fr: 14:00 – 17:00 Uhr
Eintritt
Erwachsene: CHF 10.–
Reduziert: CHF 5.–
Kontakt
psychiatrie-museum.ch | +41 76 405 06 35
Anreise mit ÖV:
- ab Hauptbahnhof Bern mit Bus 10 oder S-Bahn Linie 7 nach Ostermundigen Bahnhof, umsteigen auf Bus 28 Richtung Bern Wankdorf bis UPD Waldau
- direkte Busverbindung ab Bahnhof Bern Wankdorf Linie 28 Richtung Weissenbühl bis UPD Waldau